Herzlich willkommen bei uns Abbeanern!
 - Die Schulleiterin Dr. E. Menzel - 

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Wir wünschen allen Abbeanern, ihren Eltern und Lehrern schöne Ferien.

Am ersten Schultag, den 10.08.17, sehen sich alle Abbeaner im Haus I, Wartburgallee 60 auf dem Schulhof zum Abbetreff: Beginn 08:15 Uhr
Alle Schüler der Klassen 5 treffen sich zuerst 08:00 Uhr  im Haus II (Theaterplatz) und gehen mit ihrem Klassenlehrer zum Hauptgebäude.

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Ernst-Abbe, größter gelehrter Sohn der Stadt Eisenach

im 19. Jahrhundert

Der am 23. Januar 1840 als Sohn des Spinnereiarbeiters Adam Abbe in der Eisenacher Sophienstraße geborene Ernst-Abbe war nach Werner Schmid "...eine jener Gestalten, in denen sich deutsche Gründlichkeit mit höchstem sittlichem Ernst und tiefstem Verantwortungsbewußtsein sowie menschlicher Güte paarten."

Zweifellos war er einer der bedeutendsten Wissenschaftler aber auch Sozialreformer, die in Deutschland im 19. Jahrhundert gewirkt haben. Schon bald wurden seine Lehrer auf die außergewöhnlichen Fähigkeiten des jungen Ernst aufmerksam. Sie empfahlen ihn für eine "höhere Schullaufbahn", woher aber sollte Vater Abbe das Geld nehmen? Nicht ohne Grund ermöglichte die Familie von Eichel - Besitzer der Spinnerei, in welcher Vater Abbe arbeitete - durch Übernahme des Schulgeldes dem begabten jungen Ernst Abbe den Besuch der Realschule von 1850 bis 1857 in Eisenach.

Aus dem erlesenen Kreis der Realschüler ragte Ernst Abbe durch seine besonderen Fähigkeiten bald heraus. Seine Tagebucheintragungen in den Jahren 1856/57 weisen ein hohes Maß an Selbststudium nach. Täglich, auch an Sonn- und Feiertagen, betrieb er diese Studien, insbesondere mit naturwissenschaftlicher Literatur. Für das Jahr 1856 wurden 88 Titel an Zusatzliteratur angegeben, zu größeren Teilen ausgeliehen in Bibliotheken, bei Lehrern und Mitschülern. Die Abiturerfolge Ernst Abbes sind folgerichtiges Ergebnis dieses zielgerichteten Arbeitens. Anstelle der üblichen 8 Jahre brauchte Abbe zur Erlangung eines glänzenden Reifezeugnisses nur deren 7. Mit 17 Jahren wurde er zu Beginn der Prima zielgerichtet auf einen vorzeitigen Abschluß des Realgymnasiums vorbereitet. In sieben Fächern erhielt er das Prädikat "Recht gut" (sehr gut), in 3 Fächern "gut" . Besonders seine Arbeit zur Geometrischen Optik im Fach Physik wird von seinen Prüfern hervorgehoben: "Ausgezeichnete, bis auf eine Kleinigkeit fehlerlose Arbeit, in welcher die Aufgabe ganz allgemein und mit höherer Mathematik entwickelt ist, was beides nicht verlangt war".

Ernst Abbes Zeugnis trug mit ausdrücklicher Erlaubnis der Weimarer Staatsregierung die erweiterte Bezeichnung: "Zeugniß der Reife zum Abgang auf die Universität". Dieses Prädikat wurde für einen Realschüler zum ersten Mal erteilt, etwa 35 Jahre, bevor die allgemeine Gleichstellung der Abschlüsse zwischen Realgymnasien und humanistischen Gymnasien in Deutschland erfolgte. Nachdem Adam Abbe gemeinsam mit seinem Sohn vom Fabrikanten Eichel eine Freigabe erreicht hatte, ging der Sohn nach Jena, um den ersehnten Traum vom Studium zu verwirklichen. Sein Drang zur Erkenntnis bzw. seine Liebe zur Wissenschaft waren übermächtig geworden.

s s gg

Aber: Ernst Abbe war nicht nur herausragender Schüler des Eisenacher Realgymnasiums, der an Stelle der üblichen 8 nur 7 Jahre zur Erlangung des Reifezeugnisses brauchte, er war nicht nur der Student, der die Nächte im verschlafenen, 6800 Einwohner zählenden Universitätsstädtchen Jena u.a. deshalb durcharbeitete, weil zahlreiche Mitbewohner aus dem Tierreich ihm das Schlafen unmöglich machten, er war nicht nur der Student der sich bei zwei Preisausschreiben der Universität den ersten Preis holte - Ernst Abbe war viel mehr. In ihm schlug das Herz eines freien Menschen, der als Kind in der Eisenacher Burgmühlenwohnung Revolutionäre der gescheiterten 48iger Revolution versteckte, auf den das soziale Elend vieler Arbeiterfamilien einen lebenslang prägenden Eindruck hinterließ und an dessen Bahre 1905 Arbeiter der Zeiß-Werke aus freien Stücken Totenwache hielten. Ernst Abbe lebte Sozialpartnerschaft und soziale Marktwirtschaft lange vor deren theoretischer und praktischer Einführung in bester Weise persönlich beispielgebend vor. Ernst Abbe lehnte den Sozialismus als wirtschaftliche Theorie mit Schärfe ab, mit ebensolcher Schärfe wandte er sich gegen die Unterdrückung dieser Bewegung. Er ermöglichte seinen Arbeitern schon vor über 100 Jahren die Teilnahme an Maifeiern oder das Abhalten von Versammlungen im Volkshaus. Ernst Abbe stand mit Leidenschaft auf der Seite der Freiheit, er hasste bzw. verurteilte nichts schärfer als die Unterdrückung Andersgesinnter. Dieser Freiheitsdrang hatte ihn auch veranlasst, aus der Landeskirche auszutreten. So findet folgerichtig am 24. September 1871 ohne kirchliche Trauung - dem Schwiegervater und gelehrten Freund Prof. Snell war es gar nicht recht - die Hochzeit statt. Sein erster Biograph Auerbach schreibt, dass Abbe nichts mehr hasste als die Verfolgung anders Denkender aus religiösen oder politischen Überzeugungen heraus. Gleichsam regte er sich auch dann mächtig auf, wenn Personen, die er schätzte, sich solchen Zuständen beugten. Werner Schmid - ein Biograph aus Zürich spricht sogar "vom Hass auf das Zylinderchristentum" - Abbe sei ein Gegner aller leeren Formen und Formeln gewesen. Das Gebot des Artikel 1 Grundgesetz, "die Würde des Menschen ist unantastbar" war für ihn Leitstern zum Handeln: "Die Gesinnung soll niemals durch einen Arbeitsvertrag beeinflußt werden dürfen." 
Abbe war Mäzen, Philantrop, Menschen- und Arbeiterfreund ebenso, wie ein Mann von bewundernswerter Prinzipienfestigkeit, stellte Auerbach fest. Zeit seines Lebens ließ er sich nie von Äußerlichkeiten blenden oder verleiten:,,Mit dem Doktorschwindel bin ich endlich fertig geworden - zwanzig riesige Diplome habe ich erhalten - der Vater soll damit die Hundehütte, den Abtritt usw. tapezieren",, schreibt er 1861 an seinen Jugendfreund Harald Schütz nach Göttingen. Eben jenem Harald Schütz, dem er in seinen Briefen auch über so manchen feucht fröhlichen Bierabend in Eisenach oder Jena berichtete.

Ernst Abbe war von einem unerbittlichen Wahrheits- und Forscherdrang erfüllt - er wußte, dass sein Wissen nur Bruchstück einer größeren umfassenderen Wahrheit war - danach zog es ihn, danach strebte er, so ist nur zu erklären, dass er nach anfänglichen Mißerfolgen die Gesetze fand, die in Linsen auf die Lichtstrahlen wirken. Am Ende seines Lebens verdankte ihm die praktische Optik nicht weniger als 50 bedeutende Erfindungen bzw. Entdeckungen sowie die Stadt bzw. Universität Jena so manche Zuwendung. Als ihn sein Freund Carl Zeiss über die finanzielle Relevanz seiner Initialentdeckung 1871 unterrichtete, meint Abbe: ,,Ich glaube ein Affe hätte mich geleckt. Und da hätte ich dann ein einfältiger Tor, ein dummer Egoist sein müssen, wenn ich jemals auf den Gedanken hätte kommen sollen, dass der Vorteil mein ausschließliches persönliches Verdienst wäre,,.

Sein plötzlicher Millionenbesitz beunruhigte ihn - "Besitz verpflichtet" war nunmehr sein Credo. "Was an Unternehmereinkommen bezogen wird, das soll der Allgemeinheit wieder zufließen, es gehört nicht denen, die dank ihrer Kapitalmacht dieses Eigentum beziehen." Abbe wollte Regulator sein für das Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit und ein "Korrektiv" liefern gegen "gewisse zerstörende Wirkungen der unkontrollierten privat-kapitalistischen Produktionsweise." Ernst Abbe konnte sich sozialen Fortschritt nur im Kontext mit technischem Fortschritt vorstellen, der beste soziale Schutz für die Schwachen bestehe in der Förderung der Leistungsfähigen!

Am 5. Februar 1911, einem Montag, wurde um 12.00 Uhr feierlich eine aus Bronze gegossene Büste Ernst Abbes in Jena geweiht. Die Festrede hielt der für Kultus in Sachsen - Weimar - Eisenach zuständige Staatsminister Dr. Carl Rothe: "Ernst Abbe - welche Fülle bedeutsamer Erinnerungen verbindet sich mit diesem Namen" lautete die Überschrift.

Erinnerungen, die es wert sind, auch in Abbes Geburtsstadt öfter seiner zu gedenken, nicht nur alljährlich zwischen Geburts- und Todestag in der Schule, die seinen Namen mit Stolz trägt, sondern - so ist zu wünschen - durch Kommune und Stadt, deren größter gelehrter Sohn des 19. Jahrhunderts er unbestritten war.

 

Die Bedeutung von Geowissenschaften am Ernst-Abbe-Gymnasium Eisenach von 1843 bis zur Gegenwart.

Vortrag des ehemaligen Schulleiters Gerhard Lorenz auf der Jahrestagung des Geologischen Vereins Thüringen im Juni 2003 in Eisenach!

Am 11.07.1843 wurde in Eisenach mit 28 Schülern in einer Knabenklasse und 14 Schülerinnen in einer Mädchenklasse eine Realschule eröffnet. Einem Zeiterfordernis Rechnung tragend mit dem Ziel, die Begabungsreserven des aufstrebenden Bürgertums zu erschließen, war dieser Einrichtung bis in die Gegenwart großer Erfolg beschieden. Ihr berühmtester Schüler, Ernst Abbe, erwarb an dieser Bildungsstätte mit 17 Jahren als erster Schüler des Realgymnasiums mit einer Ausnahmegenehmigung des zuständigen Weimarer Ministeriums das "Zeugnis der Reife zum Übergang auf die Universität." 
Nachfolgende Schülergenerationen eiferten ihm nach und fanden gerade in den Naturwissenschaften an dieser Schule beste Bedingungen vor. Engagierte Lehrer, wie die Professoren Mager (ging in die Geschichte der Pädagogik ein), Köpp, Koch und Tycho Mommsen oder Ferdinand Senft, die auf der Basis fundierter Fachkenntnisse ihre Schüler für die Wissenschaften zu begeistern vermochten, sind Beleg dafür.

So z. B. Prof. Dr. Ferdinand Senft, der nicht nur geschätzter Lehrer von Ernst Abbe, sondern auch beispielsweise des Chefgeologe am Gotthardttunnelbau, Friedrich Moritz Stapff, im Eisenacher Realgymnasium war. Auch ein Roderich Zeiss oder Stiefsohn und Sohn des Johann Georg Bornemann (1831-1896), Ludwig Georg bzw. Johann Emil Viktor Bornemann, wurden am Eisenacher Realgymnasium von Prof. Senft mit einer ganzheitlichen Betrachtung der Natur vertraut gemacht, und das mit äußerst praxisnahen Lehrmethoden.

Wie Dr. Karl Waldmann in seiner kleinen Biographie von 1938 zu Recht beklagt, galt der Prophet im eigenen Lande nicht viel, von heimatkundlicher Seite wurde wenig über Senft geschrieben, während seine internationale Reputation in Wissenschaftlerkreisen über jede Kritik erhaben war. Er war u.a. Mitglied der Royal Geological Society zu London und der Kaiserlich-Russischen Societät der Naturforscher in Moskau. Darüber hinaus auch wissenschaftlicher Gesellschaften in Jena, Dresden, Regensburg, Hanau, Erfurt (Königliche Akademie), Breslau sowie der kaiserlich-geologischen Reichsanstalt in Wien.

In nachfolgenden historischen Abhandlungen zur Geologie wurde insbesondere immer wieder auf Senfts grundlegende Werke zur Boden- und Verwitterungskunde hingewiesen. Mit über 7000 beschriebenen Druckseiten hat wohl niemals mehr ein Wissenschaftler eine derartige Menge an Literatur aus der Wartburgstadt in die Welt hinaus geschickt. Professor Senft hat an unserer "Anstalt" 32 lange Jahre (von 1843 bis 1875) segensreich im Sinne von Bildung und Erziehung aufstrebender Schülergenerationen gewirkt.

Der größte Schüler unserer Einrichtung, Ernst Abbe, wurde von Senft von Sexta bis Prima in Naturkunde, Geographie und Chemie unterrichtet, Fächer, die für die damalige und noch mehr heutige Zeit über eine bemerkenswert hohe Stundenzahl verfügten. So weist das Programm des Großherzoglichen Realgymnasiums von 1851 für die Fächer Naturgeschichte und natürliche Erdkunde über 8 Schuljahre 24 Jahreswochenstunden aus. Professor Senft erhielt im November 1849 von S.K.H., dem Großherzog Carl - Friedrich "…in Anerkennung der nützlichen Dienste, welche dieser Lehrer der Schule seit ihrem Bestehen geleistet hat, das Amtsprädikat eines Professors." Ferdinand Senft gründete in den 50iger Jahren den "Naturwissenschaftlichen Verein" am Realgymnasium, eine Einrichtung, an der Abbe Vorträge über mathematische, physikalische und astronomische Themen hielt. Aus dem Jahresbericht von 1851 ist weiter zu entnehmen, dass man "…Herrn Professor Senft einen ansehnlichen Beitrag zu der Sammlung der chemischen Apparate verdanke…" und Professor Senft einen Unterricht mit "bemerkenswertem Erfolge" gebe und auch für die "logische Bildung der Schüler fruchtbar zu machen weiß." (Prof. Mager 1851). 

In der Beilage zum Jahresbericht 1893 des Großherzoglichen Realgymnasiums würdigt Professor Stechele den langjährigen Lehrer der Anstalt: Dr. Senft habe sich "das größte Verdienst um die fortwährende Vergrößerung der Sammlungen erworben": Außer zahlreichen Einzelexemplaren verdanke ihm die Schule sein über 2500 Arten umfassendes Herbarium, eine Suite rheinländischer Mineralien, eine vollständige Sammlung der am nordwestlichen Thüringer Walde vorkommenden Felsarten, Mineralien und eine Sammlung von Petrefakten aus verschiedenen Erdrindeformationen. Auch Bücher, wie "Salomon Gerstners sämtliche Schriften", Reutlingen 1875, gehörten dazu.

Darüber hinaus verfasste Senft, der gleichzeitig auch an der Forstakademie in Eisenach Vorlesungen abhielt, zahlreiche wissenschaftliche Beiträge zu Jahresberichten der Schule: 1846: "Geognostische Skizze der Umgebung Eisenachs", 1857: "Geognostische Beschreibung der Umgebung Eisenachs", 1865: "Die Vegetationsverhältnisse von Eisenachs Umgebung", 1874: "Die Veränderungen in der Tierwelt aus Eisenachs Umgebung".

Professor Senft war nicht nur Wissenschaftler, sondern durch und durch auch Pädagoge. Er begriff die Schule nicht nur als Anstalt für die Bildung des Geistes, sondern insbesondere auch des Charakters. Senft kommunizierte auch außerhalb der Schule mit seinen Schülern, und das ganz ohne Internet und Telefon! Nicht nur im "Naturwissenschaftlichen Verein", sondern auch in seinem von Sammlungen, Präparaten und wissenschaftlichen Apparaten überquellenden Studierzimmer empfing er interessierte Schüler, versuchte ihr Interesse für diesen oder jenen Zweig der Naturwissenschaften zu wecken, schenkte ihnen Bücher oder gab ihnen Privatunterricht und dies sowohl im Studierzimmer, als auch in der Natur.

Es ist anzunehmen, dass auch Abbe gelegentlich bei Senft vorgesprochen hat. Immerhin behauptet Dr. Karl Waldmann in o. g. Biografie ganz überschwänglich: "Da die unterrichtliche Wirkung eines Lehrers abhängig ist von seinem wissenschaftlichen Niveau und seinem pädagogischen Können, ist es klar, dass die größte Wirkung auf Ernst Abbe während seines Besuches des Eisenacher Realgymnasiums von Senft ausgegangen ist. Da der werdende große Geist von dem bereits entwickelten großen Geist naturnotwendig angezogen wird, wurde der junge Abbe von Senft aufs stärkste beeinflusst. Ich glaube mich keiner Übertreibung schuldig zu machen, wenn ich behaupte, dass Abbe das ungeheure Glück hatte, sieben Jahre lang bei dem beste naturwissenschaftlichen Lehrer Thüringens, der seiner Zeit an einer höheren Schule amtierte, Unterricht zu genießen."

Die Reihe bekannter Namen, die in den geologischen Wissenschaften mit gutem Klang geführt werden und die als Schüler am Eisenacher Realgymnasium durch Ferdinand Senft für die Naturwissenschaften begeistert wurden, lässt sich mühelos fortsetzen: Friedrich Moritz Stapff, der Chefgeologe beim Gotthardttunnelbau von 1873 bis 1883 war sicherlich einer der Berühmtesten. 1836 in Gerstungen als Sohn eines Rechtsanwalts geboren, besuchte er das Eisenacher Realgymnasium von 1851 - 1854. Rückblickend äußerte sich Senft am 10.01.1860 begeistert: "Herr Friedrich Moritz Stapff hat bei mir Unterricht in Chemie und Geognosie gehabt und sich in diesen Disciplinen so eifrig und fleissig gezeigt, dass er zur Zahl meiner besten Schüler gehörte.

Seine erworbenen Kenntnisse waren gediegen zu nennen und seine Gewissenhaftigkeit bei wissenschaftlichen Arbeiten war so groß, dass ich ihn mit gutem Gewissen bei meinen eigenen geognostischen Forschungen gebrauchen konnte." Professor Stechele schildert in seinem schon erwähnten Beitrag zur Geschichte der Schule von 1893 dass "…Herr Dr. Stapff, ehemaliger Schüler der Anstalt und zur Zeit des Baus des Gotthardttunnels Geolog des Tunnelbaus…" der Schule "…eine vollständige, höchst wertvolle, wohlgeordnete Sammlung von Gotthardttunnelgesteinen und dazu als Beilage Durchschnitte im Verhältnisse 1:200 und erläuternde Tabellen …" schenkte.

Ein zweiter Schüler Senfts und damit des Realgymnasiums war der am 09.11.1850 in Leipzig geborene Ludwig Georg Bornemann, nachgewiesen im Jahresbericht 1864/65 in der Sekunda. Dieser widmete sich als Dr. phil. nicht nur den Musikwissenschaften, die Stadt Eisenach hat ihm den Ankauf des Bachhauses für die neue Bachgesellschaft und die Gründung des Thüringer Museums zu verdanken, sondern er beschäftigte sich auch mit Kartierungsarbeiten (Blatt Fröttstädt), den Basaltvorkommen der Umgebung sowie mikropaläontologischen Arbeiten. Der älteste Sohn des Geologen Johann Georg Bornemann (1831-1896), Johann Emil Viktor, trat 1869 in das Realgymnasium ein. Er wurde später an der Bergakademie in Claustal zum Bergingenieur ausgebildet und leitete später die Bergwerke seines Vaters auf Sardinien. Mühelos ließe sich die Reihe bekannter Namen, die als Schüler am Realgymnasium, der späteren Ernst-Abbe-Schule bzw. des Ernst-Abbe-Gymnasiums ihre "geognostische" Prägung erfahren haben oder dort als Lehrer für die Geowissenschaften tätig waren, im 20.

Jahrhundert fortsetzen. Beispielhaft seien nur genannt: Fritz Deubel, Abitur 1917, Rudolf Meinhold aus Ruhla, Abitur 1930 oder Dr. Hans Weber, Lehrer und Studienrat an bezeichneter Anstalt von 1920 - 1936. Im Bericht der Ernst-Abbe-Schule von 1926 schreibt ihr damaliger Direktor Professor Fritz Kühner: " Anstelle des früheren Maiganges werden 4 Tagesausflüge gemacht. Studienrat Dr. Weber schleppte Jung und Alt in die benachbarten Höhlen, die untersucht und vermessen wurden." 
Auch in neuerer Zeit erfahren die Geowissenschaften am Ernst-Abbe-Gymnasium mit einem Leistungskurs und mehreren Grundkursen pro Jahrgang eine entsprechende Bedeutung im Fächerkanon. Beispielhaft möchte ich Dr. Hartmut Walther nennen, der, 1963 geboren, Schüler der Ernst-Abbe-Schule von 1978 - 1982 war, einen erheblichen Teil seiner Freizeit für die Mitwirkung in der hiesigen Fachgruppe Geologie aufbrachte, um dann von 1985 - 1989 in Freiberg und Greifswald Geologie zu studieren. Nach einer Zeit als wissenschaftlicher Assistent in Freiberg von 1990 - 1993 folgten Forschungsaufenthalte in Prag und Melbourne, Australien. Schließlich promovierte er 1993 an der Bergakademie Freiberg. 

Diese Reihe ließe sich mit heutigen Studenten der Geowissenschaften für das Lehramt bzw. der Geologie ebenfalls fortsetzen.
Gegenwärtig bemühen wir uns sehr darum, die Geowissenschaften in der Schule im Rahmen des Faches Geographie nachhaltig zu stärken, denn wir sind davon überzeugt, dass die integrative Funktion dieses Faches, ihr hoher Stellenwert für eine wohltuende Allgemeinbildung und die überzeugenden Potentiale für interdisziplinäres Arbeiten wie in keinem anderen Fach einen modernen Schulunterricht bereichern werden, ganz im Sinne Senfts, der neben Physik und Chemie auch unbedingt die Geologie als festen Bestandteil der Schullehrpläne forderte, denn: "… sie bietet eine Menge Hilfsmittel zur Erklärung und Vervollständigung der Physik, Chemie und Mathematik." War nun Senft mit dieser Idee seiner Zeit erheblich voraus, oder hinken wir heute diesbezüglich dieser Zeit gar hinterher? Man ist versucht, geistesgegenwärtig mit Schiller zu antworten: "Irrtum verlässt uns nie, doch führt uns ein höher Bedürfnis leise den strebenden Geist vorwärts zur Wahrheit hinan."

 

Vom Bürgergymnasium zur städtischen Realschule

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Aus bescheidenen Anfängen beginnend - einem Zeiterfordemis Rechnung tragend - sollten auch die Begabungsreserven des aufstrebenden Bürgertums in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erschlossen werden. Gegen Ende der Dreißiger Jahre hatte die Weimarische Staatsregierung jedem bedeutenderen Orte des Großherzogtums die Errichtung einer Realklasse empfohlen. Nun zählte Eisenach auch damals schon zu den bedeutenderen Orten eines zumindest kulturell bekannten Großherzogtums. Folgerichtig erging am 10. März 1843 ein Aufruf des Stadtrates der Stadt Eisenach zur Errichtung einer neuen Realschule.

"Um ein längst gewähltes Bedürfniß zu befriedigen, hat der hießige Stadtrath mit Vorwissen und Genehmigung des Großherzoglichen Oberkonsistoriums beschlossen, eine Unterrichtsanstalt einzurichten, welche auch weniger bemittelten Eltern die Möglichkeit gewährt, ihren Kindern beiderlei Geschlechts eine besonders für das gewerbliche Leben berechnete höhere und umfassendere Ausbildung zu verschaffen, die von der Bürgerschule weder zu verlangen noch zu erwarten ist. Gegenstände des Unterrichts sollen bilden Religion, Deutsche Sprache, Übung im schriftlichen Ausdruck mit Rücksicht auf Schön- und Rechtschreibung, im Vorlesen und freien Vortrag, Rechenkunst bis zu den Gleichungen, Geometrie, Berechnung des Kobikinhalts der Körper, die für das praktische Leben wichtigsten Hauptlehren der ebenen Trigonometrie, der Statik und Mechanik, Naturlehre, Naturgeschichte, Geographie, Geschichte, Zeichnen, lateinische Sprache bis zur Kenntniß der Satzbildung und französischen Sprache, letztere beiden Unterrichtsgegenstände jedoch nur für die, welche es wünschen. 

Für das weibliche Geschlecht tritt statt der Geometrie und der Zweige der angewandten Mathematik, so wie des Lateins, Unterweisung in weiblichen Arbeiten ein. Diese Gegenstände werden mit einer passenden Verteilung auf 26 bis 30 Stunden die Woche und unter allmähligem Fortschreiten vom Leichteren zum Schwereren vor der Hand in einer Klasse für jedes Geschlecht behandelt werden, wobei aber zweckmäßig scheinende Abänderung nach den Bedürfnissen der Zeit und der zu unterrichtenden Schüler vorbehalten bleiben. 

Das Schulgeld ist vorläufig auf 12 Thaler festgestellt. Um nun zu erfahren, auf wieviel Schüler in der so bezeichneten Unterrichtsanstalt ungefähr zu rechnen sein möchte, werden alle Diejenigen, so wohl in hießiger Stadt als in der Umgegend, welche ihre Kinder oder sonstige Angehörige daran Theil nehmen zu lassen gesonnen sind, hierdurch aufgefordert, bis zum 10. April des Jahres bei den Bezirksvorstehern schriftliche oder mündliche Anzeige zu machen, wobei noch bemerkt wird, daß in diese Anstalt auch Kinder, welche noch nicht konfirmirt sind, aufgenommen werden können, wenn sie die nöthige Vorbildung dazu besitzen." 

Eisenach, den 10. März 1843 
Der Stadtrath; 

Am 11. Juli 1843 wurde in frei gewordenen Räumen der ersten Bürgerschule (an der Esplanade) die neue Realschule eröffnet. Von Anfang an für Knaben und Mädchen bestimmt - allerdings getrennt zu unterrichten - fehlte es nicht an Schülern. Die zweiklassige Knabenabteilung hatte bis Ostern 1845 schon über 70 Schüler aufgenommen.

Gleichzeitig suchte der Stadtrat mit großer Gründlichkeit einen tüchtigen Direktor. Er hatte das große Glück, mit Dr. Karl Mager eine der geeignetsten Persönlichkeiten der damaligen Zeit zu finden. Mager hatte sich unter anderem durch zahlreiche pädagogische Schriften, insbesondere auch über die Errichtung eines Bürger- oder Realgymnasiums, einen Namen gemacht. Ostern 1848 trat er seinen Dienst am Eisenacher Realgymnasium an. Schon bald war seine "Handschrift" in Gestalt der Unterrichtstafel aber auch der gesamten inneren Organisation zu spüren. Nachdem die Räumlichkeiten in der ersten Bürgerschule schon lange nicht mehr reichten (die Quarta und Tertia waren in zwei Dachstuben untergebracht), erhielt das Realgymnasium nach den Sommerferien 1850 ihr erstes eigenes Gebäude (damals Goldschmiedengasse Nr. 598). 

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Neben der Dienstwohnung des Direktors enthielt das neue Schulgebäude sechs Klassenzimmer, ein Zimmer für physikalische Apparate, ein Zimmer für das Laboratorium, ein Zimmer für die naturhistorischen Sammlungen, ein Lehrerzimmer, das zugleich Bibliothekszimmer war, und ein Zimmer für den Schuldiener. In seinem Programm von 1852 teilte Mager freudig mit, dass bereits der größte Teil seiner Wünsche erfüllt sei. Die Hauptlehrer der Schule (8) waren fest angestellt, und konnten sich somit mit ganzer Kraft dem Unterricht widmen (unter anderem neben Dr. Mager die Doktoren Koepp, Senft (1.v.l.), Koch (2.v.l.)).

Durch eine fortschreitende Krankheit leider zunehmend ans Bett gefesselt, durfte Dr. Karl Mager "in allen Ehren" zu Ostern 1852 seinen Dienst quittieren. Er starb am 10. Juni 1858 in Wiesbaden. Sein Nachfolger wurde Dr. Gustav A. Koepp, "Lehrer; der mathematischen Wissenschaften" Die verbesserte Situation der Schule war insbesondere der Übernahme wesentlicher Lasten des Schulbetriebs durch die Weimarische Staatsregierung zu Beginn der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts zu verdanken. Der nicht unproblematische Anfang wurde von der - bis in die heutige Zeit hinein nicht abreißenden - Diskussion über die Gestaltung des Unterrichtsplanes beherrscht. Mehrfache Reformvorhaben im Verlaufe der Schulgeschichte - streitbar oder gar mit der Anmaßung der Unfehlbarkeit vorgetragen - belegen die Reformfreudigkeit. Vom Vorwurf der "Abrichtanstalt für praktische Brauchbarkeit" bald durch entsprechende Erfolge befreit, erfreute sich unsere Schule bis zum heutigen Tage eines ungebrochenen Zuspruchs. Stets zeigte sie sich reformbereit und reformfähig, um neuen Entwicklungen Rechnung zu tragen. Beispielsweise nahmen die alten und die neuen Sprachen seit der Annahme des Lehrplanes der Realschule 1. Ordnung (1862 nach preußischem Vorbild) bis in die heutige Zeit hinein eine angemessene Position neben den Naturwissenschaften ein. Mit der Einweihung des neuen Schulgebäudes in der Schmelzerstraße am 24. Juni 1863 (Geburtstag des Großherzoges Carl Alexander) hatte die Schule nach dem Urteil des Professors Stechele (Beilage zum Jahresbericht 1893) " ... das schönste Schulgebäude im ganzen Großherzogtum bekommen..." (ausgestattet mit Naturalienkabinett, Zeichensaal, Aula, Bibliothek usw.). 
Ein Schüler, der in den beginnenden fünfziger Jahren durch besondere Begabung und Fleiß seinen Lehrern auffiel, war der schmächtige Ernst-Abbe. 

 

Gedanken des Ehemaligen Schulleiters zum 80-jährigen Jubiläum des Schulgebäudes in der Wartburgallee 60

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Sich seiner Geschichte bewusst zu sein, heißt Zukunft haben, dieser Gedanke verdient am Tage des Jubiläums - 80. Jahrestag der Eröffnung des neuen Gebäudes in der Wartburgallee 60 am 09. November 1922 - eine vertiefende Betrachtung. Am 09. November 1922 erfolgt die feierliche Einweihung des Realgymnasiums in der Turnhalle. Sehr zu bedauern ist, dass unter dem Diktat des Geldmangels keine Aula eingebaut werden konnte. Die Festrede hält der Direktor, Geheimrat Dr. Frerichs. Der "erhebenden Weihefeier" - so die Eisenacher Tagespost vom 10. November 1922 - gingen anstrengende Wochen des Um- und Einzugs voraus.

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Sowohl das frühere Realgymnasium als auch die 1909 gegründete städtische Realschule zogen in das neue Gebäude ein. Die Verschmelzung zum neunklassigen Realgymnasium sei rasch und mühelos erfolgt, schrieb der spätere Direktor Prof. Fritz Kühner. Dieser war es auch, der durchaus kritisch und nicht euphorisch 1926 den Kompromisscharakter des Neubaus beschrieb: In Berücksichtigung der gegenwärtigen Zeitumstände in einfacher Weise zur Ausführung gekommen, trage der Bau vielfach die "Prägung der Not" aus der er stamme (Inflationszeit) und bleibe in so manchem vom ersten Tage an "hinter dem Nötigen" zurück. Um so bemerkenswerter werden diese Worte, wenn ich ergänze, dass ohne Fritz Kühners rastloses Wirken in denkbar schwerer Zeit hinsichtlich des Erwerbs der Grundstücke bzw. für die Bereitstellung der notwendigen finanziellen Mittel, diese "erhebende Weihefeier" wohl so nicht stattgefunden hätte. Im Jahre 1922 veranlasst Prof. Fritz Kühner die Benennung der Schule nach ihrem bedeutendsten Absolventen Ernst Abbe.

"Der Kampf um den Raum begann ", stellte Kühner lakonisch 1925 fest. Schon Ostern 1925 reichte der Platz nicht mehr. 102 Schüler mussten auf 2 Klassen aufgeteilt werden und eine Mehrfachnutzung der Räume häufte sich (durch Volkshochschule, Aufbauschule usw.). Viele Unterrichtsmittel seien aus dem 19. Jahrhundert stammend übernommen worden, nur die besseren hygienischen Bedingungen werden von Kühner hervorgehoben. Drängen sich da etwa Vergleiche zur Gegenwart auf? Erstmals lernen auch ab Ostern 1923 Schülerinnen an der neuen Ernst-Abbe-Schule. Prof. Fritz Kühner (ab 1923 Direktor): "Sie haben sich rasch und reibungslos in den Betrieb der Knabenschule eingefunden und gute Kameradschaft gehalten." Mit dem Ehrennahmen Ernst-Abbe-Schule trat die Einrichtung in eine Art Paten-Verhältnis zu den Zeiss-Werken in Jena. Zahlreiche technische Geschenke zeugen von der Fruchtbarkeit dieser Zusammenarbeit. (Projektionsapparat, Mikroskope, Drehbank usw.) Historiker haben die schwere Aufgabe, der Wahrheit möglichst nahe zu kommen, Mythen und Legenden, auch subjektive Wertungen auf Befangenheiten hin zu untersuchen - auch bei Gefahr, dass man unbequeme, lästige oder gar unerwünschte Wahrheiten zu Tage befördert. So ist die Geschichte dieser Schule in ihrem Mikrokosmos eigentlich - und das ist folgerichtig - ein Spiegelbild des Makrokosmos der historischen Entwicklung in den vergangenen 154 Jahren in Deutschland.

Aus bescheidenen Anfängen beginnend - einem Zeiterfordernis Rechnung tragend - sollten auch die Begabungsreserven des aufstrebenden Bürgertums erschlossen werden. Gegen Ende der 30iger Jahre des 19. Jahrhunderts hatte die Weimarische Regierung jedem bedeutenderen Orte des Großherzogtums die Errichtung einer Realklasse empfohlen. Nun zählte Eisenach auch damals schon zu den bedeutenderen Orten eines politisch nicht allzu bedeutenden Großherzogtums. Am 11. Juli 1843 wurde in frei gewordenen Räumen der ersten Bürgerschule (Esplanade) die neue Realschule eröffnet. Immerhin war die neue Schule anfangs für Knaben und Mädchen bestimmt - allerdings getrennt zu unterrichten. Von Beginn an fehlte es nicht an Schülern - die zweiklassige Knabenabteilung hatte bis Ostern 1845 schon über 70 Schüler aufgenommen. Diese Feststellung ist übrigens repräsentativ für die gesamte Geschichte unserer Schule bis zum heutigen Tage. Aber: Es gab kein eigenes Schulgebäude und um die Räumlichkeiten in der ersten Bürgerschule stand es besonders für die Quarta und Tertia - in zwei Dachstuben untergebracht - nicht zum Besten. Dies besserte sich nach Übernahme wesentlicher Lasten der Schule durch die Weimarische Staatsregierung zu Beginn der 50iger Jahre des 19. Jahrhunderts. Der nicht unproblematische Anfang wurde von der bis in die heutige Zeit hinein nicht abreißenden Diskussion über die Gestaltung des Unterrichtsplanes beherrscht. Mehrfache Reformvorhaben im Verlaufe der Schulgeschichte Deutschlands - streitbar oder gar mit der Anmaßung der Unfehlbarkeit vorgetragen - belegen , dass "pädagogische Räder" mehrfach neu erfunden wurden, oft gefüllt mit altem Wein in neuen Schläuchen oder umgekehrt. Vom Vorwurf der "Abrichtanstalt für praktische Brauchbarkeit" bald durch entsprechende Erfolge befreit, erfreute sich unsere Schule bis zum heutigen Tage eines ungebrochenen Zuspruchs. Stets zeigte sie sich reformbereit und reformfähig, um neuen Entwicklungen Rechnung zu tragen. Beispielsweise nahmen die alten und die neuen Sprachen seit der Annahme des Lehrplanes der Realschule 1. Ordnung (1862/63 aus Preußen stammend) bis in die heutige Zeit hinein eine angemessene Position neben den Naturwissenschaften ein. Mit der Einweihung des neuen Schulgebäudes in der Schmelzerstraße am 24. Juni 1862 (Geburtstag des Großherzogs Carl Alexander) hatte die Schule nach dem Urteil des Prof. Stechele das "schönste Schulgebäude im ganzen Großherzogtum" bekommen ( Naturalienkabinett, Werkstatt, Experimentierzimmer, chem. Laboratorium, Zeichensaal, Aula, Bibliothek - bei 120 Schülern). Nachdem Prof. Frerichs von 1887 bis 1922 die Leitung der Anstalt übernommen hatte, waren schon längst alle Zweifel an der Berechtigung der Gleichwertigkeit von Realgymnasien beseitigt, ja selbst die mit dem Selbstverständnis und manchmal der Selbstgerechtigkeit historischer Traditionslast arbeitenden humanistischen Gymnasien kamen um Eingeständnisse nicht herum. So stellte der neue Direktor des benachbarten humanistischen Carl-Friedrich-Gymnasiums, Otto Apelt, 1898 in seiner Antrittsrede fest: "Schon seit einer Reihe von Jahren ist das Rad der Schulreform in lebhaftem Umschwung. Neuer Inhalt ringt nach neuen Formen. Dem geänderten Zeitgeist gegenüber kann auch das Gymnasium nicht unbedingt dem Stillstand huldigen". Darüber hinaus warnte er, dass man die realen Wissenschaften nicht als "Banausentum" abqualifizieren dürfe. Die Qualität der Ausbildung an unserer Schule findet häufig ihren Ausdruck in den Aussagen Beteiligter oder Dritter über hervorragende Lehrer und Schüler. Stellvertretend und nicht mit dem Anspruch auf Vollständigkeit seien solche hervorragenden Lehrer wie die Professoren Mager, Koepp, Koch, Senft, Hosäus, Kühner, Frerichs, Greiner, Weber, Feldrappe genannt. Beim Studium der langen Schülerlisten tauchen neben Ernst-Abbe und Roderich Zeiß so manche, auch heute noch mit gutem Klang in Eisenach geführte Namen auf. Aber: Viele Kinder jüdischer Mitbürger sind heute im Einwohnerverzeichnis Eisenachs leider nicht mehr anzutreffen. Sich dieser Geschichte bewusst zu sein heißt für uns Nachgeborene, Brücken zu bauen, um den Weg für Toleranz, Verständigung und Mitmenschlichkeit als allgemein zu praktizierende Werte zu ebnen. Immer wieder begegnet man beim Studium der Quellen oder im Gespräch mit Zeitzeugen über die Zeitläufe hinweg der bewundernden Anerkennung und Dankbarkeit für den Lehrer, der mehr war als nur ein seelenloser Stoffvermittler: Vielseitigkeit, Schärfe des Denkens, Engagiertheit, Wahrheitsliebe, abgründige Bescheidenheit, Selbstlosigkeit - Eigenschaften, die ehemalige Schüler dem Prof. Fritz Kühner - er sei stellvertretend für viele andere Lehrer genannt - bescheinigten, belegen dies. "Diesem Mann ein guter Schüler zu sein war mein ganzer Ehrgeiz", schreibt ein Ehemaliger. Ausdrücklich ist festzustellen, dass solche anerkennenden Schülerurteile über Lehrer auch aus den schweren Zeiten deutscher Geschichte bekannt sind. Von Anfang an war unser Gymnasium auch eine internationale Schule. In den Schülerlisten tauchen Schüler aus England, Frankreich, Belgien, den USA, Japan und anderen Ländern auf. So ist der 9. November - es ist - die Mathematiker mögen dies näher bestimmen - sicherlich mehr Zufall und weniger Methode - ein im 20. Jahrhundert im Guten wie im Bösen verhältnismäßig oft in die Annalen eingegangenes Datum. Gerade mit dem 9. November zeigt sich beispielhaft die Ambivalenz oder besser Janusköpfigkeit der Geschichte. Nur einige Stichpunkte:

  • 9. November 1918 - Abdankung des Kaisers, Ausrufung der Republik
  • 9. November 1923 - Hitlerputsch in München
  • 9. November 1925 - Gründung der SS
  • 9. November 1929 - Zusammenbruch der Reichsbundbank
  • 9. November 1938 - Pogrome gegen jüdische Mitbürger
  • in der Nacht vom 8. zum 9. November 1938 - fehlgeschlagener Sprengstoffanschlag auf Hitler im Münchener Bürgerbräukeller
  • 9. November 1944 - Nobelpreis für Otto Hahn
  • 9. November 1948 - Blockade über Westberlin beginnt
  • 9. November 1960 - J. F. Kennedy wird zum Präsidenten gewählt
  • 9. November 1970 - Charles de Gaulle stirbt
  • 9. November 1972 - Unterzeichnung des Grundlagenvertrages zwischen DDR und Bundesrepublik
  • 9. November 1989 - Fall der Mauer
  • 9. November 1993 - die 1566 erbaute Türkenbrücke, das Wahrzeichen der Stadt Mostar, wird zerstört.

Warum sage ich das? Gleichsam haben wir in der heutigen Zeit keinen Anlass, uns über Vergangenes moralisierend zu erheben - mit dem Zusammenbruch gewalttätiger politischer Systeme 1989 sind wir eben noch nicht am Ende der Geschichte, wie einige Philosophen zu Beginn der 90iger Jahre euphorisch meinten, angelangt - Mostar und die Nachfolgestaaten des früheren Jugoslawien haben uns dies vor unserer Haustür und zudem fernsehlive hoffentlich deutlich vor Augen geführt. Deshalb gilt eben: nur der, der sich seiner Geschichte bewusst ist, wird auch Zukunft haben. Es heißt, sich mit der Geschichte und dem was sie uns zu sagen hat, kritisch und verantwortungsbewusst auseinanderzusetzen, damit endlich das, was Kant vor 200 Jahren der Menschheit als Vermächtnis - das Ideal der Errichtung eines ewigen Friedens auf Erden -mitgeben wollte, Verwirklichung finden kann - das Letzte wär' das Höchsterrungene. 

Autor: Gerhard Lorenz, Ehemaliger Direktor des Ernst-Abbe-Gymnasiums